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Ringelschwanzprämie ? Absurdität im Schweinestall

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Das ist mal wieder eine wunderbare Stilblüte der Landwirtschaftspolitik, die mich zum Schmunzeln bringt. In Niedersachsen sollen Landwirte belohnt werden, die ihre Schweine ohne kupierten oder abgebissenen Ringelschwanz zum Schlachthof bringen. Immerhin sollen 16-18 Euro pro Tier dafür gezahlt werden, das entspricht etwa 10% des erzielten Schlachtpreises, damit die Tiere angeblich artgerechter gehalten werden und Auffälligkeiten, wie das Anknabbern oder Abbeißen der Ringelschwänze ihrer Artgenossen ausbleiben.

Einen Artikel zu diesem Thema hat die „Welt am Sonntag“ am 29.6.2014 herausgegeben, den Sie hier lesen können: http://www.welt.de/print/wams/politik/article129572718/Herr-der-Ringelschwaenze.html

Diese Prämie ist ungefähr so, als wenn die Polizei bei einer Alkoholkontrolle einem jugendlichen Autofahrer eine Kiste Bier als Belohnung schenkt, weil er nüchtern ist, aber nicht kontrolliert ob er überhaupt einen Führerschein hat.

Statt der Ringelschwanzprämie, könnte man eine artgerechte Stallhaltung und Fütterung fördern, aber dazu müsste man natürlich die Stallungen mit offenen Augen besuchen, die Fütterung überprüfen und das Fleisch auf verbotene Substanzen untersuchen usw. Einem Schwein von 110 Kg steht laut Richtlinie 1 m² Stallfläche zur Verfügung !

Die „Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt“ hat auf ihrer Webseite einige interessante Informationen zum Thema Schweinehaltung zusammengetragen. http://albert-schweitzer-stiftung.de/massentierhaltung/schweine

Viele Massentierhalter ob nun Schwein, Pute oder Hühner sind heute voll durchorganisierte Unternehmen mit betriebswirtschaftlichen Controlling-Kennziffern wie zum Beispiel Gewichtszunahme pro Tag/Tier und Tag/Tier/m²Stallfläche. Bei der Möglichkeit etwa 10% mehr für das Produkt Schwein mit Ringelschwanz zu erzielen, stellt sich nun die Frage wie man das am günstigsten realisieren kann und da sind Massentierhalter sehr erfindungsreich.

Das Tierwohl wird dabei bestimmt nicht im Vordergrund stehen und damit hätte die Prämie Sinn und Zweck verfehlt.